Chanel, Dior, Pucci – Ein Gang ins Museum

Chanel, Dior, Pucci – Ein Gang ins Museum

Juni 5, 2018 2 Von FrauSonnenburg

Am vergangenen Wochenende habe ich mit zwei Freundinnen eine wunderbare Ausstellung im Lübecker St. Annen-Museum besucht:

Die Düsseldorfer Sammlerin Monika Gottlieb erlaubt uns einen umfassenden Blick in ihre Sammlung und führt uns damit in die schillernde Welt der Mode in der Nachkriegszeit bis in die 2000er-Jahre hinein. Gottlieb wuchs auf in Düsseldorf, ihre Eltern hatten ein exclusives Modegeschäft auf der Königsallee – und so kam es, dass die kleine Monika schon als Kind mit den Großen der Haute Couture und deren prominenter Kundschaft bekannt wurde.

Schon der Auftakt der Ausstellung ist eine Augenweide:

Christian Lacroix (oben links), Givenchy und Christian Dior (oben rechts) empfangen den Besucher in knalligem rot.
Nach dem zweiten Weltkrieg gab es wieder Stoffe und Materialien, aus denen sich Haute Couture schneidern ließ, und es gab wieder betuchte Kundschaft, die sich diese leisten wollte und konnte.  Das Leben sollte wieder auf der Sonnenseite geschehen, und die Kriegsmode durch Luxus und Exclusivität ersetzet werden.
Mit seinem „New Look“, der sich insbesondere durch sehr betonte Taillen und weit schwingende Röcke auszeichnete, für die sündhaft viel Stoff verwendet wurde, war Christian Dior der Pionier seiner Zeit.

Aber auch andere französische Modeschöpfer sind in der Ausstellung vertreten:

 Der grüne Mantel vorne ist wieder von Dior, der schwarze Hosenanzug dagegen von Coco Chanel. Sie wiederum war die Vorreiterin für die Hosenmode für die Dame, was insbesondere Marlene Dietrich inspirierte, und für schlichten, dennoch sehr eleganten Stil.
Das kleine Schwarze, das auch von Coco Chanel erfunden worden sein soll, rechts im Bild, ist dagegen von Givenchy.

Ebenso wie dieser wunderbare Mantel aus einem Brokatstoff in knallorange links im Bild.
Das Brautkleid von Meghan Markle stammte ja bekanntlich ebenfalls aus dem Hause
Givenchy und wurde teilweise heftig kritisiert für seine makellose
Schlichtheit. Uns drei Besucherinnen gefiel der cleane zeitlose Stil
allerdings ausgesprochen gut.

Pierre Cardin ließ sich dagegen etwas ganz Spezielles einfallen. Das Cocktailkleid rechts im Bild entstand 1970 und ist inspiriert durch die damals aufkommenden Autowaschstraßen. Wenn man das weiß, sind die Parallelen verblüffend.

Meine persönlichen Favoriten stammen ebenfalls von französischen Designern.
Links ein Cocktailkleid von Mary Rouff aus dem Jahre 1954. Es ist so wunderschön genäht mit seiner Corsage und dem Volant am Saum! Beeindruckend fand ich dazu die Masse an Petticoats, die den Rock in Form bringen. Der Stoff erinnert mich ganz lebhaft an die Nierentische bei meiner Oma, einen Gummibaum und opulente kalte Platten. Ich kann mir ganz lebhaft vorstellen, wie die Trägerin mit einem Glas Martini mit Olive darin an einem Emfpang teilnimmt, bei dem Cracker mit Kaviar oder Mayonnaise gereicht werden, während im Hintergrund leise das Piano klimpert…

Kaum zu glauben, dass das blaue Kleid aus der gleichen Zeit stammt, nämlich von 1955 aus der Feder von Pierre Balmain. Es ist so zeitlos und immer noch modern mit seinen vielen Lagen Spitze und Tüll. Das gewaltige Collier von Chanel passt tadellos dazu , wie ich finde, auch wenn ich sonst überhaupt kein Fan von so riesigen Klunkern bin.

Accessoires gab es natürlich auch zu sehen: Taschen, Hüte, Puderdosen, Tücher, Schuhe und absurd große Schmuckstücke.
Meine Favorit hierbei ist dieser wunderbar schräge Hut, den man vielleicht bei Alice im Wunderland oder Willy Wonka ansiedeln würde. Er ist bezogen mit Stoff, der alte Zeichnungen von Modistinnen und Modeverkäuferinnen zeigt und sensationell dekoriert. Buntstifte, eine Blumenvase, ein dicker wütender Buddha und eine Frauenfigur werden üppig mit Tüll eingehüllt. Zu welchem Anlass dieser Zylinder wohl getragen wurde?

Mit der Sonnenbrille von diesem Foto wäre man auch heutzutage wieder ganz hip. Türkis geht ohnehin fast immer, finde ich. Ob es diese monströsen Fisch-Ohrclips braucht, darüber kann man sicher streiten. Tuch und Kette würde ich heute durchaus tragen. Oben rechts mogelt sich ein Bikini ins Bild aus damals revolutionärem Material: Es war sonnendurchlässig. Das ist heutzutage allerdings weniger angesagt. 

Farbenfroh ging es bekanntermaßen auch bei Emilo Pucci zu.
Nach den bisher gezeigten Ballroben und formelleren Kleidern waren die legeren, knalligen Entwürfe fast ein kleiner Schock. Stark augenkrebsverdächtig, was Herr Pucci sich ausgedacht hat: 

 Und aus wirklich abenteuerlichen Materialien! Das Strandcape oben ist tatsächlich aus Frottee!

Und diese beiden Tuniken, die ich sogar heute noch tragbar fände, sind aus Samt (!) und dicker Seide.

Natürlich darf bei einem Ausflug in die Haute Couture die ganz große Festkleidung auch nicht fehlen, und hier fand ich die Kulisse atemberaubend:

Die Entwürfe hier sind allesamt von Stéphane Rolland für Jean-Louis Scherrer. Ob man mit diesen Kleidern tatsächlich einen Ball bestreiten will, kann man sicher diskutieren – aber man sieht auf jeden Fall umwerfend darin aus.

Neben den gezeigten Highlights gab es natürlich noch diverse andere Designer zu sehen, zum Beispiel aus den USA und Großbritannien. Ich persönlich finde allerdings, bei der gegebenen Auswahl hatten die Franzosen und Italiener eindeutig die Nase vorn!

Wer mehr über die Ausstellung wissen möchte: Hier entlang.  Sie läuft noch bis zum 29.7. und wird durch ein reichhaltiges Rahmenprogramm abgerundet.
Interessantes zum Hintergrund der Sammlerin gibt es in diesem Artikel zu lesen. Bei Lieblingsstil gibt es außerdem ein tolle Homestory mit vielen vielen Fotos.

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