Haupt – Stadtmantel

Haupt – Stadtmantel

November 15, 2017 9 Von FrauSonnenburg

Im letzten Herbst hat Crafteln den Schnitt für den Stadtmantel in ihrem Schnittmusterkiosk aufgenommen. Von Beginn an fand ich diesen Schnitt wunderbar, insbesondere die figurnahe Form und der schwingende Rockteil (heißt das bei einem Mantel eigentlich so?)

Zum Sew-Along habe ich es nicht geschafft, obwohl ich im März bereits den Schnitt und auch den passenden Walkstoff (Farbe: „Pflasterstein“) gekauft hatte. Im Mai, beim Nähtreff auf Schloss Noer, habe ich den Mantel bei Nähkatze erstmals live gesehen, und spätestens dann war der Vorsatz gefasst: Zum Herbst muss ich einen Stadtmantel haben!

Den Schnitt habe ich plotten lassen – bei den vielen Schnittteilen ist das angeraten. Vorteil: Man kann gleich die passende Größe ausschneiden, und muss nicht extra abpausen. Meine Variante ist die mit den Teilungsnähten – im Schnitt ist aber auch noch eine weitere mit Abnähern auf den Vorderteilen enthalten.

Das Nähen fand ich im Großen und Ganzen nicht schwierig.
Die Anleitung ist gut nachvollziehbar, und wenn etwas nicht klar ist, kann man in den Folgen des Sew-Alongs Hilfe finden.
Meine erste Herausforderung war das Befestigen der Taschen auf den Vorderteilen. Dicker Walk, versehen mit Futterstoff, wie sollte ich das wohl nähen?
Die Antwort hatte Frau Crafteln persönlich parat: Kantenumschlingend!

Das machte meine kleine treue Nähmaschine ganz fein und klaglos: Problem gelöst!

Die nächsten Schritte nähten sich problemlos weg, und ganz wunderbarerweise fügten sich die vielen Knipse ganz von selbst aneinander.
Beim Mantel sind nur die Schulterpartie und die Ärmel gefüttert, so dass beim Anziehen gut „rutscht“: ganz clever, wie ich finde – auch wenn mir die vigeliensche Weise, wie die Ärmel gefüttert wurden, diverse Knoten ins Hirn zauberte. Doch schließlich war auch diese Hürde genommen.

Beim Verstürzen des Kragens musste ich noch einmal etwas überlegen, konnte aber auch das sehr gut meistern. Den Kombistoff habe ich in meiner Vorratskiste gefunden – es ist ein Baumwollstoff, der eigentlich eine Tischdecke werden sollte. Die wird nun etwas kürzer, denn der bunte Gegensatz zum grauen Walk gefiel mir ausgesprochen gut, ebenso wie der knallpinke Futterrest, aus dem ich genau die benötigten Futterstücke herausbekam.

Und hier ist er nun, mein Stadtmantel: 

Geschlossen wird der Mantel mittels Druckknöpfen. Inzwischen habe ich von verschiedenen Stadtmantel-Näherinnen gehört, dass das Anbringen der Druckknöpfe das Schlimmste am ganzen Mantel war, was ich nur bestätigen kann.
Aber nützt ja nix – und irgendwann war auch das überstanden.

Damit das Grau nicht so eintönig und trist aussieht, habe ich über eine Zufallsbekanntschaft aus Instagram, der lieben Alexandra von Knopfsachen, Knöpfe machen lassen. Ganz genau abgestimmt auf die Farben des Belegstoffs – sind die nicht toll?

Sie sind allerdings nur außen aufgenäht und erfüllen keine andere Funktion als Zier zu sein.
Das aber ausgesprochen gut, wie ich finde.

Die Tragefotos sind am verganenen Samstag in Berlin entstanden, als ich zu einem Stricktreffen mit Frau Maschenfein gefahren bin. In der Nähe des Veranstaltungsortes fand sich eine hübsche bordeauxfarbene Wand, die sich perfekt eignete als Kulisse. 

Ich muss sagen, von der Passform bin ich wirklich begeistert. Ich musste zwar die Länge kürzen, aber ansonsten keinerlei Anpassungen vornehmen. Sogar die Ärmellänge passte, die Taschen sind genau, wo ich sie brauche – und ich bin einfach superglücklich mit meinem Mantel!

Einen großen Lacher gab es allerdings kurze Zeit nach Entstehen der Fotos, als wir ein Stück weiter gelaufen waren und sehen konnten, was diese schöne bordeauxfarbene Wand eigentlich darstellte:

Und noch absurder, als ein Haus mit dem Bild rohen Fleisches zu bemalen finde ich die Aufschrift, die oben auf dem Messer geschrieben ist: „Berlin 1961 – 1989“. Die Teilung als Carpaccio? Interessant.

Dieses Haus steht an der Bernauer Straße bei der Gedenkstätte Berliner Mauer, die wir bei der Gelegenheit (und weil sie so kommod am Weg zum Treffpunkt lag) besucht haben.
Wer die Gedenkstätte noch nicht kennt: unbedingt mal anschauen. Wo einst die Mauer entlangführte, stehen heute Metallstelen, und an verschiedenen Stationen kann man sich über verschiedene Aspekte des Mauerbaus und der Teilung informieren. An jeder Station gibt es dazu auch Audiodokus mit Interviews von Zeitzeugen. Wirklich interessant – und mit fast 30 Jahren Abstand zum Mauerfall für mich kaum noch vorstellbar, dass es diese grausame Grenze mitten in der Stadt und quer durchs Land wirklich einmal gegeben hat.

Passend zum Mantel und zur kalten Jahreszeit habe ich mir auch noch einen Schal gestrickt, den ich „Stadtschal“ getauft habe. Aus ganz edlem Mohair-Seidengemisch und nach einer eigenen Anleitung, die in den nächsten Tagen erscheinen wird. Wer Lust hat, darf gern nachstricken!

Stadtmantel und -schal verlinke ich nun beim Me-Made-Mittwoch. Ob es noch andere Wintermäntel zu sehen gibt?