Fashion Style Kleid in petrol
Beim heutigen Memademittwoch zeige ich ein Kleid aus der Kategoie „Am Anfang war der Stoff“. Der Schnitt ist aus einer älteren Fashion Style und erinnert ein bisschen an das „Schwanenkleid“, das vor einigen Jahren auf vielen Nähblogs Furore machte.
Zum Glück habe ich noch einige Stoffläden in meinem Umkreis. Im nahegelegenen Einkaufscenter gibt es einen, der inzwischen neben vielen Kinderstoffen auch ein recht gut sortiertes Sortiment an „Erwachsenenstoffen“ führt. Wenn ich dort im Center unterwegs bin und noch etwas Zeit übrig habe, stromere ich gern einmal durch den Laden, und – Du kennst das – komme meist mit „Beute“ wieder raus.
Beim letzten Beutezug im Herbst lachte mich ein petrofarbener Feincord an. Nachdem ich im letzten Jahr mit dem Sylvan Tee, der Dschungel-Pirkko-Pants, dem blumigen True Classic-Kleid und einem Kaufkleid samt passendem Strickmantel einige petrolfarbene Kleidungsstücke im Kleiderschrank angesammelt habe, konnte ich diesen tollen Stoff nicht im Laden lassen: 2 m kamen mit, die ich ursprünglich für eine Hose vorgesehen hatte.
Planänderung: Fashion Style-Kleid statt Hose
In einem ruhigen Moment blätterte ich meine Sammlung an Näh-Zeitschriften durch und stieß dabei auf diesen Schnitt hier:

Ein Kleid mit einem solchen Ausschnitt wollte ich immer schon mal nähen! Die Kappärmel gefielen mir auch sehr an dem Modell, und der Brustabnäher, der seitlich zur Taille verläuft, ebenfalls. So einen hat auch mein Weihnachtskleid von vor 2 Jahren, und diese Form der Abnäher bringt tolle Form in Kleidungsstücke.
Insgesamt ist der Schnitt klassisch, ein bisschen streng, aber doch alltagstauglich.
Eigentlich ist er für elastische Stoffe vorgesehen, aber nach meiner Erfahrung mit Cordstoffen, die immer etwas dehnbar sind, habe ich entschieden, dass mein Stöffchen für diesen Schnitt taugen würde.
Und musste erst einmal den Schnitt abpausen. Das habe ich schon ewig nicht mehr gemacht! Was für ein Gewühl auf so einem Schnittmusterbogen herrscht! Einmal mehr freue ich mich darüber, dass es inzwischen A0-Plotdateien zu kaufen gibt. Die Fahndung nach Teilen, deren Linienführung und Markierungen auf einem Bogen gehören ehrlich nicht zu meinen liebsten Tätigkeiten.
Das Schnittteil für das Vorderteil ist schon ein bisschen abenteuerlich, denn neben besagtem Brust-Taillenabnäher hat es auch den angeschnittenen Stehkragen. Was ich total witzig fand: die Ärmel werden jeweils doppelt zugeschnitten (also 2 x rechts und 2 x links). Abgesehen davon gibt es ein gespiegeltes Rückenteil oben, eines unten, jeweils mit weiteren Abnähern, und einen Beleg für den Halsausschnitt. Der Schnitt sieht einen seitlich eingesetzten Reißverschluss vor – ich habe mir sicherheitshalber einen bereitgelegt, aber dann erleichtert festgestellt, dass er nicht nötig ist.
Schnell genäht
Auf den ersten Blick schienen mir die Abnäher am Hals sehr kompliziert. Die Bedenken erwiesen sich als unbegründet. Schließt man die Naht ,legt sich der angeschnittene Kragen quasi von selbst in Form. Beleg dagegen – fertig!

Auf der Modellzeichnung sieht das untere Ende des Kragens spitz aus. Ich habe keine Ahnung, ob ich die Teile schlampig zugeschnitten habe, oder beim Nähen nachlässig war, jedenfalls hat sich bei mir eine stumpfe Unterkante ergeben. Die könnte ich noch mal ändern, aber – och nö, sie gefällt mir.


Da ich auf den Reißverschluss verzichtet habe, war das Kleid flink genäht. Wirklich gut gefällt mir der Brust-Taille-Abnäher, den man auf dem linken Bild erkennen kann.
Auf dem rechten Foto sieht man den Kappärmel, der doppelt gelegt ist. Im Zuschnitt hatte ich mich nach dem Sinn gefragt. Ich vermute, dass durch die doppelte Stofflage (außen und innen ist jeweils die rechte Stoffeseite außen) ein schönerer, sauberer Eindruck erreicht werden sollte. Ich denke aber, dass es auch mit einfacher Stofflage und umgeklapptem Saum funktionieren würde, jedenfalls bei festerem Material wie meinem Cordstoff.
Ich hatte mich auch gewundert, dass der untere Armausschnitt keinen Beleg hat und mich gefragt, wie das wohl gelöst würde. Ganz einfach: Nach innen umklappen, feststeppen, passt. Faszinierend.
Was mich am Schnitt wirklich begeistert ist, dass die Passpunkte tatsächlich perfekt aufeinander treffen. Gerade bei Schnitten, die ich selbst aus dem Wirrwarr der Schnittmusterbögen kopiert habe, gelingt mir das selten.


Beim Gehschlitz habe ich mir besonders Mühe gegeben, um diesen ordentlich abzusteppen, und das ist mir gut gelungen, wie ich finde:

Auch der Saum ist akkurat umgenäht.
Tragefotos
… gibt es natürlich auch, wie sich das zum MeMadeMittwoch gehört.


Das geübte Auge sieht ein paar Passformmängel: Das obere Rückenteil ist etwas zu lang und wirft Falten, in der Taille hätte ein Tick mehr Weite nicht geschadet (das Kleid trägt sich dennoch bequem, ich kann darin atmen 😀 ), und das Oberteil im Bereich der Ärmel hätte gern etwas kleiner ausfallen dürfen. Aber das ist Jammern auf hohem Nivau – ich bin sehr sehr zufrieden mit meinem neuen Kleid in der für mich neuen Farbe!
Verlinkt zu Memade Mittwoch – Handmade Monday – Ein kleiner Blog – Creativsalat – Lieblingsstücke – Du für Dich am Donnerstag



