Kimonokleid (Burda 07/2026)
Zum Geburtstag habe ich mir nach langer Zeit mal wieder eine Burda Style gegönnt. Lange Zeit fand ich die Ausgaben ziemlich langweilig, gefühlt hatte man alle Schnitte schon mal gesehen, und die Normalgrößen bis max. 44 passen mir nicht. Diesmal allerdings hat mich tatsächlich das Titelmodell gecatcht: Das „Kimonokleid“


So ein flatteriges Kleid, das trotzdem bedeckt, das war bei der damals herrschenden Hitzewelle genau mein Traum. Ein Blick in die Modellskizze zeigt: Das Vorderteil wird in Bahnen zugeschnitten, mit einer Quernaht als Teilung, und ist unten ausgestellt. Das Rückenteil besteht aus zwei Teilen und wir mit Abnähern etwas geformt. Die Schultern sind überschnitten, es gibt wahlweise längere und kurze Ärmel. Die Weite kann durch ein langes Bindeband in der Taille nach Wunsch auf Figur gebracht werden. Auch am V-Ausschnitt gibt es Bindebändchen – diese fand ich eher befremdlich, aber sie wegzulassen wäre unproblematisch. Ja, das wäre ein famoses Kleid für heiße Tage!
Stoff war auch schnell gefunden: Im Juni war ich zur Reha auf Usedom, und in Bansin gibt es einen Stoffladen. Dort wurde ich fündig: Eine Viskose aus der Kollektion „Brisa de Verano“ von Swafing in Kooperaation mit Lillesol und Pelle, leicht, kühl und fließend, mit schwerem Fall: Genau die richtige Zutat. Leider finde ich den Stoff online nirgends, aber die Qualität ist einfach umwerfend und eine absolute Empfehlung.
Wieder zu Hause, wurde der Schnitt kopiert, zugeschnitten und der Stoff sofort vernäht.
In dem Zusammenhang stellte sich mir wieder einmal die Frage: Wenn ich ein Schnittmusterheft kaufe, warum kann man dann nicht QR-Codes mitliefern, mit denen ich den Schnitt als A0-Datei herunterladen und zum Plotten geben kann? Gibt es dazu eine schlaue Idee? Die einzige Erklärung, die mir dazu einfällt ist, dass man das Heft ja weitergeben könnte (oder in der Bibliothek ausleihen) und die Schnitte dann „für lau“ kursieren. Das Problem existiert bei der Printausgabe allerdings genauso. Wenn eine von euch eine gute Erklärung für dieses Phänomen hat: Bitte gerne her damit. Bei den riesigen Schnittteilen war das Kopieren echt keine Freude. Die (ist es nie, aber je größer die Teile, desto unübersichtlicher und nerviger ist das Kopieren, finde ich.
Das Näherlebnis
Vorneweg: Der Stoff ist ein Traum. Fällt etwas schwerer, fasst sich toll kühl an und war ganz willig unter der Nadel. Kein Gefranse oder andere Zicken.
Die Anleitung ist halt „Burda“: Teilweise finde ich die Formulierungen in den Burda-Anleitungen etwas merkwürdig, gelegentlich musste ich mal nachdenken. Wenn man alles genau so macht, wie es in der Anleitung steht, dann klappt es prima.
Die Beinchen habe ich mir selbst gestellt, da ich bei manchen Schritten dachte „das geht doch besser“. Naja.
Das obere Vorderteil ist in vier Teile geteilt. Die mittleren beiden bilden den V-Ausschnitt und werden mit einem riesigen Beleg versehen. Dessen Kanten werden mit der Hand (!) oder im Nahtschatten an der Teilungsnaht der Seitenteile befestigt. Bei meinem Duplantier Dress, das einen ähnlichen Ausschnitt hat, wird der Ausschnitt erst verstürzt und die Seitennähte des Belegs beim Annähen der Seitenteile mitgefasst. Eine einfache, saubere Lösung – das wollte ich hier auch.
Was ich dabei nicht bedacht hatte ist, dass Burda den vorderen und hinteren Beleg erst an der Schulternaht schließt und dann „Wie es sich gehört“ rundherum an den Ausschnitt annäht. Bei meiner Version ist dann eine kleine Treppenstufe am Übergang von Vorder- und Rückenteil entstanden. Blöd. Ich habe versucht, das „wegzutarnen“, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann fing der Stoff an zu leiden, und nun muss es so bleiben.

Enorm finde ich den hinteren Beleg, das ist ein Riesenteil. Beim Anhiehen klappt er immer nach außen (das Problem habe ich mit ganz vielen anderen Teilen auch). Weiß eine, wie man das verhindert? Ich könnte ihn natürlich mit ein paar Stichen am Rückenteil festnähen. Dieses hat allerdings keine Teilungsnaht, so würden die Stiche auffallen. Tipps sind hier gern genommen!

Je weiter man näht, umso beschwerlicher wird es, da doch ganz schön viel Stoff zu bewältigen ist. Aber weitere Nähprobleme gab es keine mehr.
Ich hatte mich – wie im Titelmodell – für die Version mit den längeren Ärmeln entschieden. Da der Schnitt sehr weit ausfält, sind die Schultern schon sehr stark überschnitten, und so scheint es, als hätten die Ärmel fast volle Länge:



Da ich aber in der Sonne gern verbrenne, mag ich es ganz gern etwas bedeckter., sofern es dann nicht zu warm wird. Vom Anfassen her würde der Stoff bei hohen Temperaturen sehr gut funktionieren.
Das Trageerlebnis
Locker. Luftig. Bequem.
Das beschreibt das Kleid sehr gut. Die Viskose ist angenehm kühl, jeder Luftzug lässt das Kleid flattern, und allein durch den weiten Schnitt entsteht ein wunderbar luftiges Tragegefühl.


Die Rocklänge finde ich sehr angenehm und stimmig im Gesamtbild. Die Bindebänder sind sehr lang, ob ich sie vorne oder hinten binde, muss ich noch entscheiden. Auf dem rechten Bild sieht man übrigens die Problematik mit dem hinteren Halsbeleg 🙁
Wer oben noch mal das Modellfoto und die Skizze anschaut, merkt: Die albernen Benzel am Halsausschnitt habe ich großzügig weggelassen. So ein albernes Gefummel finde ich überflüssig. Mein Kleid ist auch ohne „vollständig“ und perfekt!
Einziger Nachteil: Das Kleid hat leider keine Taschen. Im Prinzip könnte man welche in die Seitennähte integrieren – darüber werde ich eventuell noch mal nachdenken.

Auf dem Foto oben sieht man die weiten Ärmel und die generelle Form des Kleids. So erschließt sich auch die Bezeichnung „Kimonokleid“.
An einem der richtig heißen Tage Mitte August habe ich das Kleid dann dem Härtetest unterzogen. Bei 36°C war ich in Hamburg zum Michael-Jackson Musical. Vorher bin ich noch ein bisschen durch die Hafencity gebummelt, und trotz der enormen Hitze habe ich mich in diesem Kleid sehr wohl gefühlt. Und durch die langen Ärmel und den langem Rock auch relativ sicher vor der brennenden Sonne.

Der Stoff knittert selbst nach einem halben Tag in der City gar nicht so doll wie befürchtet, und ich habe mich für das Musical sehr gut angezogen gefühlt.
Mein Fazit: Ein perfektes Kleid! Da die Sommer ja tendenziell eher heißer werden, werde ich den Schnitt auf jeden Fall noch mal nähen. Dann werde ich die Nahtzugabe beim Zuschneiden weglassen, und vielleicht Taschen mit berücksichtigen. Passenden Stoff von ähnlich schöner Qualität habe ich bereits im Vorrat:

Leo in orange auf lila. Das schreit doch nach einem Sommerkleid, oder?
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